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Libertäre Rundschau

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Kurt Kowalsky: https://x.com/KurtKowalsky

Warum jede beliebige Kohorte letztendlich von einem Idioten angeführt wird

Der Idiot schadet nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst ...

Idiot steuert auf Abgrund zuIhnen, liebe Leserinnen und Männer in den Heeren zu Lande, zu Wasser und in der Luft, wird der Begriff der Kohorte bekannt sein. Kämpften doch die Römer in sogenannten Kohorten, also taktischen Einheiten von mehreren hundert Soldaten, die innerhalb einer Legion organisiert waren.

Angeführt wurden diese Kohorten durch eine klar geregelte militärische Hierarchie. An der Spitze stand in der Regel ein erfahrener Offizier, der sogenannte Centurio, unterstützt von Unteroffizieren. Diese wurden aufgrund von Erfahrung, Bewährung im Kampf und der Fähigkeit, Ordnung und Disziplin durchzusetzen, eingesetzt.

Wir wissen, wie das geendet hat. Das Weströmische Reich ging im Jahr 476 unserer Zeitrechnung unter, und aus den Römern wurden Italiener.

Soziologisch versteht man unter einer Kohorte jedoch eine Gruppe von Menschen, die durch ein gemeinsames Merkmal verbunden sind, meist ein bestimmtes Ereignis oder einen Zeitraum – etwa ein Geburtsjahrgang oder eine Generation –, und die dadurch vergleichbaren gesellschaftlichen Bedingungen und Einflüssen ausgesetzt sind.

In einem erweiterten Sinne ließen sich daher auch größere soziale Gebilde wie Unternehmen, staatliche Verwaltungen oder ganze Staaten als Kohorten betrachten, sofern sie als Gruppen von Menschen verstanden werden, die unter vergleichbaren Bedingungen handeln und gemeinsamen strukturellen Einflüssen unterliegen.

Die Betonung liegt dabei auf den gemeinsamen strukturellen Einflüssen, insbesondere auf Führung. Da sich nahezu alle diese Gebilde in mehr oder weniger ausgeprägten Subordinationsverhältnissen organisieren, kann sich jeder – je nach eigener Position – selbst verorten und entscheiden, ob er betroffen ist und zu höherem prädestiniert.

„Bevor du dich daran machst, die Welt zu verbessern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus, sagt ein Sprichwort. Wer dazu keinen Grund findet, ist stark gefährdet, selbst zum Beispiel dieses Artikels zu werden.“

„In hierarchischen Strukturen ist Selbstzweifel kein Karrierekriterium.“

Menschen unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten. Diese Unterschiede sind teils angelegt, teils Ergebnis von Übung und Erfahrung. Wer jedoch in einem Bereich besonders gut werden will, muss andere vernachlässigen. Zeit und Energie sind begrenzt. Spitzenleistung ist daher fast immer einseitig. Wer acht Stunden täglich Geige übt oder Fußballspielen trainiert, wird kaum gleichzeitig in einem anderen Gebiet zur Spitze gehören.

In der betrieblichen Praxis geht es jedoch in der Regel nicht um Spitzenleistungen, wie sie etwa ein Geigenspieler oder Profisportler erbringen muss. Die meisten Tätigkeiten stellen vergleichsweise bescheidene Anforderungen, die es zuverlässig zu erfüllen gilt. Wer seine Aufgaben ordentlich und ohne größere Auffälligkeiten erledigt, gilt bereits als tüchtig und wird entsprechend für höhere Aufgaben in Betracht gezogen. Dass diese Leistung nichts darüber aussagt, ob jemand auch den Anforderungen der nächsthöheren Position gewachsen ist, wird dabei übersehen. Gutes Putzen ist etwas anderes, als zwanzig Putzfrauen zu führen. Ein ordentlicher Ingenieur ist nicht automatisch ein guter Produktionsleiter.

Dennoch wird befördert. Die Betroffenen fühlen sich geehrt, zusätzlich locken mehr Geld, mehr Macht und mehr Ansehen. Kaum jemand lehnt ab – schon gar nicht mit dem Hinweis, man sei der Aufgabe möglicherweise nicht gewachsen. In hierarchischen Strukturen ist Selbstzweifel einer Karriere abträglich.

So steigen die Tüchtigen auf – nicht weil sie für die nächste Aufgabe geeignet wären, sondern weil sie die bisherige ordentlich erfüllt haben.

„Der Frühstücksdirektor als Zeichen der Cliquenwirtschaft.“

Der kanadische Pädagoge Laurence J. Peter hat dieses Phänomen beschrieben: In einer Hierarchie wird jeder so lange befördert, bis er die Stufe seiner eigenen Unfähigkeit erreicht hat. Das Ergebnis ist absehbar: Auf jeder Position sitzt irgendwann jemand, der er nicht gewachsen ist.

Erkennt die oberste Leitung die Unfähigkeit einer ihrer Führungskräfte, wird dieser auf einen Posten abgeschoben, auf dem er keinen nennenswerten Schaden mehr anrichten konnte.

Der sogenannte Frühstücksdirektor erscheint morgens zum ersten Meeting, wird freundlich begrüßt und anschließend ignoriert. Das ist keine Lösung, sondern ein Eingeständnis: Man hatte jemanden befördert, der dort nicht hingehörte. Arbeitsrechtliche Fragen einmal beiseitegelassen, ist das zugleich ein Zeichen von Cliquenwirtschaft. Man schiebt sich gegenseitig durch die Hierarchie und lagerte die Folgen dann irgendwo aus. In großen Organisationen sitzt immer noch eine erstaunliche Zahl solcher Figuren gut versorgt, unzuständig und unantastbar. Ob der so Abgeschobene ein Idiot war oder ist, sei dahingestellt, er führt nicht mehr und kann keinen Schaden mehr anrichten.

Wir sind bisher stillschweigend von einem Leistungswettbewerb ausgegangen – einer Art heiler Welt, in der der Tüchtige für bessere Leistung auch besser entlohnt wird. Nur die Auswahlkriterien seien eben suboptimal. Doch der Pfad der Gerechten ist nicht nur in Pulp Fiction gesäumt von Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer, sondern auch im wirklichen Leben. Vielleicht ist der Tüchtige gar nicht so tüchtig, sondern nur der bessere Täuscher und geschicktere Selbstdarsteller. Vielleicht hat er den Posten in der Vorstandsetage auch nur erhalten, weil er mit einem Fondsmanagers befreundet ist, der über seinen Fonds signifikante Anteile besitzt. Das mag moralisch verwerflich sein, doch faul ist noch lange nicht blöd und dumm.

Habe ich jetzt das Thema verfehlt? Irgendwoher müssen die wirklichen Idioten doch kommen. Vom Himmel fallen sie schließlich nicht.

„Der Idiot schadet nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst“

Ich befürchte, wir müssen zunächst klären, was unter einem Idioten zu verstehen ist. Im heutigen Sprachgebrauch ist der Ausdruck ein Schimpfwort und bezeichnet gemeinhin einen dummen Menschen. Dummheit hat jedoch – entgegen der Intuition – nur wenig mit mangelnder Intelligenz zu tun.

Sie ist vielmehr von Bosheit ebenso abzugrenzen wie von kriminellem Handeln. Während der Kriminelle strategisch vorgeht, um seinen eigenen Nutzen auf Kosten anderer zu mehren, schadet der Dummkopf – frei nach Carlo M. Cipolla – nicht nur anderen, sondern zugleich auch sich selbst. Und, was nicht vergessen werden sollte: Dummheit ist resistent gegen Vernunftargumente.

Carlo M. Cipolla schreibt, dass sich überall ein gleicher Anteil an dummen Menschen findet – unabhängig davon, welche Gruppe man betrachtet. Keine andere beobachtbare Eigenschaft des Menschen sei so gleichmäßig verteilt. Demzufolge gibt es in allen gesellschaftlichen Gruppen einen konstanten Anteil an Dummen: bei Hausmeistern ebenso wie bei Universitätsprofessoren.

Wenn wir diesen Thesen folgen, wäre der Anteil der Dummen in jeder ausreichend großen Kohorte in etwa gleich groß. Man kann das vertikal aber auch horizontal betrachten. Bei der vertikalen Perspektive können sich große Hierarchien aus einer Vielzahl kleinere Hierarchien zusammensetzen. Horizontal betrachtet, können bestimmte scheinbar voneinander unabhängige Positionen eine eigene Kohorte bilden.

So ist etwa der Verwaltungschef eines Ministeriums nicht der Minister, sondern ein verbeamteter Staatssekretär, der in der Regel der Öffentlichkeit nicht bekannt ist. Der Verwaltungschef des einen -, hat mit dem Verwaltungschef eines anderen Ministeriums nichts zu tun.

Der jeweilige Minister, der in der Regel von der Materie keine Ahnung hat und sich mit seiner mitgebrachten Entourage – bestehend aus politischen Staatssekretären – vom Fachwissen der Beamten abschirmt, bildet dann, zusammen mit den übrigen Minister eine Kohorte, welche im Bund vom Kanzler angeführt wird, in den Ländern vom jeweiligen Ministerpräsidenten.

Ein grundlegendes Übel, das man mit einem Schauspielhaus vergleichen kann: Wir haben eine professionelle Verwaltung, professionelle Darsteller und an der Spitze wackelt ein Laienschauspieler herum. Einer, der regelmäßig das gesamte Theater in Verruf bringt.

Wir müssen uns also fragen, welcher Selektionsprozess dazu führt, dass es die Idioten regelmäßig an die Spitze schwemmt. Irgendwelche verschworenen Gremien, die gezielt die Dümmsten auswählen, wird es kaum geben.

In der Wirtschaft werden die Führer von den Kapitaleigner bestimmt. In Aktiengesellschaften befinden sich die Vorstandsmitglieder dann in einem Angestelltenverhältnis. In der Politik wäre die Annahme, dass die Wähler durch ihre Entscheidung Einfluss nehmen, naheliegend. Tatsächlich wählen sie jedoch keine Personen im engeren Sinne, sondern Parteien, und damit Programme, deren spätere Umsetzung sie weder überblicken noch kontrollieren können.

Parteien sind dabei mit klassischen Anbietern im Waren- und Dienstleistungssektor nur bedingt vergleichbar. Während dort Produkte beschrieben, geprüft und anschließend gekauft oder verworfen werden, ist bei politischen Angeboten nur klar, dass sie unverbindlich sind und nicht einklagbar. Man kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass genau das Gegenteil von dem gemacht wird was versprochen wurde. Die eigentliche Auswahl der handelnden Personen erfolgt also nicht durch die Wähler, sondern innerhalb der Parteien selbst.

Obwohl die Anteile der Idioten in Wirtschaft und Politik etwa gleich groß sein müssten, sind sie gefühlt in den Parteiführungen überrepräsentiert. Das liegt unter anderem daran, dass die Anbieter unverbindlicher, nicht einklagbarer Angebote von den Anbietern anderer unverbindlicher, nicht einklagbarer Angebote bewertet werden. Das ist so eine Art Jüdische Poker, wie Ephraim Kishon dies 1961 einmal beschrieb. Man spielt Poker ohne Karten. Wer sich die höhere Zahl gedacht hat, hat gewonnen. Es sei denn, das Gegenüber ändert während des Spiels die Regeln. Und die Hauptregel ist, dass man gewonnenes Geld nicht wieder herausgibt.

Während der Arbeiter in der Produktion eines Automobilwerks eine weisungsgebundene Tätigkeit ausführt, die nur mit entsprechender Sachkunde möglich ist, wird den Mitgliedern einer Partei Mitwirkung an der politischen Willensbildung suggeriert. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass geäußerte Meinungen den eigenen Kreis selten verlassen.

Der Auswahlprozess innerhalb der Parteien lässt sich dann treffend mit einer Analogie beschreiben. Es ist Jahrmarkt. Die einfachen Parteimitglieder streiten sich um die Plätze im Kinderkarussell. Der Platz am Lenkrad des Feuerwehrautos ist besonders beliebt.

Und nachdem auch alle mal mit der Geisterbahn gefahren sind und die rote Sonne hinter den Buden langsam versinkt, steigen die Schausteller in ihre gepanzerten Limousinen und lassen sich vom Chauffeur in ihre bewachten Villen fahren.

Ich habe noch die Zeiten erlebt, als die sogenannte außerparlamentarische Opposition für die Befreiung der Arbeiterklasse am Rande der Jahrmärkte gekämpft hat. Irgendwann schauten sie hinter die Buden, warfen ihre roten Fahnen auf den Komposthaufen, zogen sich ein Froschkostüm über und kämpften mit großem Erfolg für einen Dienstwagen mit Chauffeur.

Da Parteien demokratisch legitimiert sein müssen, werden die sich zur Wahl stellenden Delegierten für die jeweiligen Parteiebenen, stets Positionen vertreten müssen, welche bei den Wählern mehrheitsfähig sind. Das ist schlechterdings nur im Unverbindlichen, Fabulösen möglich. Und natürlich bestehen auf der nächst höheren Ebene, andere Mehrheitsverhältnisse, so dass es wiederum gilt, das Fabulöse entsprechend auszurichten und anzupassen.

Wie auch immer die Taktik des parteipolitischen Karrieristen sein mag, weder spielt fachliche Kompetenz noch die Fähigkeit, einen Sachverhalt zutreffend zu beurteilen, noch die Bereitschaft, eigene Positionen kritisch zu hinterfragen, eine Rolle.

Ich möchte nicht behaupten, dass ein Vorstandsmitglied eines Unternehmens, sich vom, dem Menschen innewohnenden egozentrischen Nutzenkalkül befreite, und nun ausschließlich ideelle Ziele verfolgt. Doch er ist dem Unternehmensziel verpflichtet und wird daran gemessen.

Die Ziele von Parteien sind dagegen Projektionen des Fabulösen. Und das Volk, von dem angeblich die Staatsgewalt ausgeht, ist nicht wissend im Sinne eines Bestandes an Fakten und Theorien, welche sich durch einen größtmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen und damit qualifiziert, eine wahre und gerechtfertigte Meinung zu haben, sondern ist unwissend, ungewiss, meinungslabil und manipulierbar.

Folglich fragt es sich für die Schausteller mit ihren Dienstwagen, um bei dieser Analogie zu bleiben, wie sie einerseits sich im „Produkt“ selbst (also in der Partei) halten können und anderseits dieses Produkt so gestalten, dass man es in der Öffentlichkeit glaubhaft „verkaufen“ kann.

Dieser Spagat ist schlechterdings nicht möglich. Während die Belegschaft eines Unternehmens nach Weisung arbeitet - ob gut oder schlecht sei dahingestellt - sind Mitglieder einer Partei ja nur deshalb in dieser, weil sie irgendwelche persönlichen Ideen verfolgen oder ihren Obessionen nachgehen. Von einer überwiegenden Mehrheit der einfachen Mitglieder, über die Delegierten aller Ebenen der Partei hinweg, bis zum Landes- oder Bundesparteitag, werden diese Ideen moderiert, verwässert oder finden keine Beachtung. Stets ist es beliebig unwahrscheinlich, dass dies mit der momentanen, schwankenden Meinung der potentiellen Wähler deckungsgleich ist.

Diese Diskrepanzen spiegeln sich nun zwangläufig in der parlamentarischen Fraktion der Partei wider. Das ist nicht nur verwirrend, sondern im Grunde unerträglich. Dieser Widerspruch lässt sich nur auf eine Weise auflösen: Die Partei muss sich gegen ihre eigene Basis immunisieren. Statuten, Geschäftsordnungen und Fraktionsdisziplin werden so gestaltet, dass letztlich die Führung bestimmt – nicht die Mitglieder oder die Delegierten. Im Unternehmen ist klare Hierarchie von vornherein das Funktionsprinzip. In einer Partei, die sich als Organ demokratischer Willensbildung der Basis versteht, ist genau diese Hierarchie ein systematischer Verstoß gegen das eigene Prinzip. Sie ist jedoch unvermeidbar, soll die Partei nicht als chaotischer, unwählbarer Gemischtwarenladen enden, den niemand mehr ernst nimmt.

Bei all dieser Komplexität der Dinge braucht es letztlich genau die Schausteller in ihren gepanzerten Limousinen, die das Karussell lenken. Wobei Parteiführer nicht primär „Treuhänder der Partei“ sind, sondern individuelle Karrieristen in einem hochgradig unsicheren, medialisierten und kurzfristigen Umfeld. Einmal in einer Führungsposition angekommen, überschätzen sie ihren tatsächlichen Einfluss auf das Geschehen dramatisch. Und bei den üblichen häufigen Wechseln in den Parteiführungen steigt – selbst bei gleichem durchschnittlichem Niveau wie in der Wirtschaft – die Wahrscheinlichkeit ganz automatisch, dass sich die Idioten häufen. 

„Man kann einem Dummen Informationen geben, aber du kannst ihm nicht beibringen, sie zu nutzen.“

Genug der Theorie. Irgendwann hat bei mir in der Nachbarschaft eine Partei ein Büro eingerichtet. Dort hält wohl eine Abgeordnete des Landtags ihre Bürgersprechstunden ab. Im Schaukasten geht es um Buddelkästen im Park. Wie dem auch sei: Die Bürger stehen nicht gerade Schlange. Das ist die sichtbare Ebene, welche suggeriert, dass sich hier die Anständigen um das Wohl ihrer Bürger kümmern. Die fragwürdigen Selektionsprozesse innerhalb der Parteien werden ausgeblendet.

Der Landesvorsitzende ihrer Partei ist derzeit (April 2026) auch Regierender Bürgermeister. Als an einem Samstag im Januar infolge eines Brandanschlags auf das Berliner Stromnetz in einigen Bezirken der Strom ausfiel, hat mit Sicherheit kein gehbehinderter Rentner in seiner kalten Wohnung diesen Mann vermisst. Er ist von Beruf Versicherungskaufmann. Aber selbst wenn er Starkstromelektriker wäre, hätte ihn auch dann niemand gebrauchen können.

Am darauffolgenden Sonntag erklärte dieser Kohortenführer, er habe den gesamten Samstag zu Hause im Büro gesessen, um die Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Kurz darauf stellte sich jedoch heraus, dass er mit seiner Gattin Tennis spielen war. Sind Sie nun empört, liebe Leserinnen und Männer des Katastrophenschutzes? Die Presse und die Opposition waren es jedenfalls in ihrer ganzen grün-gelb-blauen Breite.

Exkurs: Was ist eine Idiotenlüge? Eine Idiotenlüge ist das Abstreiten eines Sachverhalts, der bereits bezeugt ist oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit bezeugt werden kann. Ein guter Lügner arbeitet mit sogenannten Legenden, also mit Geschichten, die so konstruiert sind, dass sie sich durch Fakten nur schwer widerlegen lassen. Der Idiot hingegen bestreitet offenkundige Sachverhalte vorschnell und schiebt das Wort „ehrlich“ verräterisch hinterher. Und selbstverständlich versucht er anschließend, diese erste Lüge durch weitere zu stützen. Immer mehr das Gleiche zu tun, aber etwas anderes zu erwarten, ist ein Zeichen von Wahnsinn.

Man hätte aber erwarten können, dass ein Regierungschef zumindest die Klaviatur der Öffentlichkeitsarbeit mit beiden Händen und verbundenen Augen zu spielen versteht. Fehlanzeige!

Wohlgemerkt, tiefer kann ich die Latte nicht setzen. Ich fälle kein Urteil über das Krisenmanagement an sich. Ich erwarte nur, dass ein Manager in jeder Situation zumindest die Außendarstellung seines Handelns im Griff hat. Dazu würde auch gehören, offen einzugestehen, die Lage am ersten Tag nicht richtig eingeschätzt zu haben.

Doch, so meine Vermutung, konnte er die Lage gar nicht erst einschätzen, weil er sein Telefon nicht abnahm und für die zuständigen Stellen nicht erreichbar war.

Die Wurzeln des Übels reichen also nicht besonders tief, wie man vielleicht annehmen könnte. Der regierende Popanz wird wie ein Hanswurst auf die Bühne gestellt und wackelt dort herum, solange es um nichts geht. Und natürlich sagt ihm keiner seiner Berater, dass man nicht unsichtbar wird, nur weil man sich die Augen zuhält. Man kann einem Dummen, frei nach Schopenhauer, Informationen geben, aber du kannst ihm nicht beibringen, sie zu nutzen.

Andere Geschichte.

1983 zahlte das Nachrichtenmagazin Stern umgerechnet über 4,5 Millionen Euro für angebliche Tagebücher Adolf Hitlers. Ein Kunstmaler hatte in 62 Kladden Texte in entsprechender Handschrift verfasst und als historische Dokumente ausgegeben. Der Inhalt war dabei von solch übler Qualität, dass sich die Frage nach der Echtheit schon bei oberflächlicher Betrachtung des Geschriebenen nicht ernsthaft hätte stellen dürfen.

Eine der blödsinnigsten Rechtfertigungen für die Echtheit der Tagebücher war wohl, dass kein Fälscher ein so großes Gesamtwerk herstellen würde. Doch! Für 4,5 Millionen schreibe ich gerne 63 Kladden blödes Zeugs.

Die Entscheidung, diese Kladden zu erwerben und zu veröffentlichen, trafen wenige Verantwortliche auf Leitungsebene. Die Verlagsleitung zahlte nicht nur erhebliche Summen an einen Betrüger, sondern beschädigte zugleich nachhaltig die Reputation des Magazins.

Wohlgemerkt: Es ging hier nicht um eine Entscheidung unter Unsicherheit. Ob sich eine Investition lohnt, ist eine Frage, die niemand mit Sicherheit beantworten kann. Hier ging es um etwas anderes, nämlich um die schlichte Frage: Stimmt das, was vertreten wird überhaupt?

„Wer sich zuerst rührt, hat schlechte Karten.“

Bevor wir zum Schluss kommen, muss ich Sie noch auf ein Dilemma aufmerksam machen, das auf den ersten Blick kaum auflösbar erscheint. Gerät ein Unternehmen in eine Krise oder kassiert eine Partei eine Wahlniederlage nach der anderen, dann entsteht bei Außenstehenden schnell der Eindruck, es reihten sich schlicht dumme Entscheidungen aneinander. Irgendjemand unter den Verantwortlichen müsste das doch irgendwann bemerken. Doch die Niederlagen häufen sich weiter.

Nun leben wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Und Arbeitsteilung bedeutet in der Regel nicht, dass eine Last brüderlich geteilt wird, sondern dass Aufgaben so weit zerlegt werden, bis am Ende jeder nur noch einen Ausschnitt bearbeitet, der mit dem Ganzen kaum noch in Verbindung steht.

Und diese „Bearbeitung“ ist in der Regel vertraglich festgelegt. Wenn der Centurio im römischen Reich die Kohorte anführte, tat er dies nicht, weil er zufällig irgendwo vorne stand, sondern weil er sich in der militärischen Hierarchie als professioneller Offizier in diese Position hochgearbeitet hatte. Seine Aufgaben waren klar umrissen und zu erfüllen. Eine Nichterfüllung dieser Aufgaben wäre ebenso ein Vertragsbruch wie eine Überschreitung seiner Befugnisse.

Und genau dieses Prinzip hat sich über die Jahrtausende fortgesetzt. Nicht nur in Streitkräften – die gesamte Gesellschaft ist, weitgehend unabhängig von der jeweiligen Herrschaftsform, so strukturiert.

Natürlich mag es Unternehmen geben, in denen ein sogenanntes Meeting das andere jagt. Doch man sollte sich nicht täuschen: Die Aufgabengebiete sind zunehmend spezialisiert, und die Entscheidungsspielräume werden enger.

Und während die Untergeordneten die Hierarchie über ihnen verfluchen mögen, ist sie zugleich für alle ein Segen: Man muss sich nicht mit den größeren Zusammenhängen befassen und trägt dafür auch keine Verantwortung.

Ökonomisch betrachtet ist eine erlangte Position in einem Subordinationsgefüge das Ergebnis einer persönlichen Investition. Die wenigsten fallen die Karriereleiter hinauf; vielmehr verdienen sie sich ihre Beförderung. Für viele ist dies ein Kampf.

Was macht also jemand, der es bis hoch in die zweite oder dritte Reihe der Hierarchie geschafft hat – etwa als politischer Staatssekretär unter einem Minister? Oder, in einer anderen Kohorte: Was macht der ehemalige Arbeiter, der sich bis zum Werkleiter hochgearbeitet hat und erkennt, dass die Konzernleitung dabei ist, das Unternehmen zu ruinieren?

Erwartet er, mit seiner Einrede die ungeteilte Freude seines Vorgesetzten über diesen ungefragten Zwischenruf auszulösen? Oder überlegt er es sich dreimal, weil er nicht in Misskredit geraten und damit seine Investition aufs Spiel setzen will?

In der Regel wird er sich also zurückhalten. Nicht, weil er nichts erkennt, sondern weil er die Konsequenzen fürchtet. Damit entfällt jedoch genau das, was in solchen Situationen erforderlich wäre:  durch den Widerspruch zu einer höheren Erkenntnis oder einer besseren Lösung zu gelangen.

Diejenigen, die nahe genug an der Entscheidung sind, um sie zu korrigieren, widersprechen nicht. Und diejenigen, die Widerspruch äußern könnten, sind weit genug entfernt, um ignoriert zu werden. So bleibt das System in Bewegung – ohne dass sich an der eingeschlagenen Richtung etwas ändert. Folglich warten alle nicht auf die eigene Intervention, sondern auf die der anderen.

„Karten für Eva!“

Auf einem Schreibtisch liegen fünf Würfel. Alle zeigen die gleiche Augenzahl. Menschen vermuten wie selbstverständlich, dass dies kein Zufall sein könne. Die Evolution hat uns geprägt, in den Dingen Ordnung zu suchen und zu erkennen. Tatsächlich ist jede andere Anordnung der Würfel aber ebenso wahrscheinlich.

Übertragen wir das auf Führungsgremien, wird der Gedanke ungemütlich. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass sich in einem Vorstand mit fünf Mitgliedern mehrere oder sogar ausschließlich Personen befinden, die im hier verwendeten Sinne als Idioten zu bezeichnen wären. Ebenso gut kann es sein, dass keiner darunter ist. Und auch die Nachfolge unterliegt keinem erkennbaren Korrekturmechanismus.

Wenn eine Auswahl nach bestimmten Kriterien erfolgt, entspricht auch das Ergebnis in etwa diesen Kriterien. Verfassen wir also eine Stellenanzeige: „Unternehmen sucht geschäftsführendes Vorstandsmitglied (m/w/d). Sie haben einen Hochschulabschluss und Erfahrung in unserer Branche. Idioten werden nicht genommen.“

Eine solche Anzeige gibt es nicht. Und in Parteien gelten ohnehin andere Kriterien. Es ist daher beliebig unwahrscheinlich, dass sich die Dummheit einer Person erst dann manifestiert, wenn sie die Spitze ihrer Karriere erreicht hat.

Intuitiv könnte man also vermuten, dass der Dummkopf auf dem Weg dorthin aussortiert wird. Doch das Gegenteil kann der Fall sein. Für eine Abteilung oder ein Unternehmen kann es durchaus rational sein, einem vermuteten Idioten durch eine überdurchschnittlich gute Bewertung den Weg nach oben zu ebnen. Dann ist er weg.

Hinzu kommt, dass auf den unteren Ebenen die Entscheidungsspielräume klein und die Kontrollen eng sind. Erst weiter oben entfalten sich die Möglichkeiten seine Dummheit so richtig zu entfalten.

Im Unterschied zum „Frühstücksdirektor“, der seine Überforderung erkennt, fehlt dem Idioten genau diese Einsicht. Er stellt die naheliegenden Fragen nicht:
Stimmt das überhaupt?
Welche Risiken bestehen?
Was geschieht, wenn wir uns irren?

Nicht aus Bosheit. Sondern weil er keinen Anlass sieht. Die Sache erscheint ihm plausibel, die Einwände der anderen unmaßgeblich. Kritische Stimmen werden übergangen oder gar nicht erst zugelassen.

Und nun gibt es zwei typische Verläufe. Entweder setzt sich eine Kette kleiner Fehlentscheidungen fort, deren Auswirkungen sich summieren. Und die Kohorte wird in ein langsames Siechtum manövriert. Hinter den offensichtlich dummen Entscheidungen des Idioten, versuchen die schwindenden Anhänger immer wieder, eine ihnen verborgene Rationalität zu finden. Oder es kommt zu dem einen Moment, in dem eine dumme Entscheidung alles überragt. Aber dann ist es zu spät.

Nicht alle Menschen schreiben Tagebuch. Aber wenn, dann unterschreibt niemand seine eigenen Einträge auf jeder Seite.

„31. Juli 1936. Morgen Eröffnung der Olympischen Spiele. Muss schauen, dass ich für Eva noch Karten bekomme.
Adolf Hitler“


Quellen:

Laurence J. Peter und andere: Das Peter-Prinzip / Alles ist erreichbar: oder Die Hierarchie der Unfähigen / Erfolg kann man lernen. (2004)

Carlo M. Cipolla: „The Basic Laws of Human Stupidity“, 1976

https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Tagebücher

Zitat Tagebuch Persiflage aus: Schtonk!; satirischer Spielfilm von Helmut Dietl aus dem Jahr 1992.


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Erstellt am 23.04.2026. Aktualisiert am 26.04.2026, alle Rechte vorbehalten
   
   
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